Die Debat­te um die Errich­tung der Kreuz-Skulp­tur auf dem Gelän­de der Lan­des­gar­ten­schau Neuss 2026 zeigt mit gro­ßer Deut­lich­keit, wie BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN ihre Rol­le im Kul­tur­aus­schuss am Don­ners­tag, dem 22.01.2026, ver­ste­hen: nicht als Mit­ver­ant­wor­tung für fach­lich fun­dier­te Kul­tur­po­li­tik, son­dern als Instru­ment zur welt­an­schau­li­chen Umdeu­tung kul­tu­rel­ler Realität.

Der Sach­ver­halt ist ein­deu­tig. Die Beschluss­emp­feh­lung zur Errich­tung der künst­le­risch gestal­te­ten Kreuz-Skulp­tur von Karl‑B. Loef­fen beruht auf einem ord­nungs­ge­mä­ßen, trans­pa­ren­ten Ver­fah­ren der Kom­mis­si­on zur Kunst im öffent­li­chen Raum. Der Ent­wurf wur­de im Sep­tem­ber 2025 vor Ort vor­ge­stellt, fach­lich erläu­tert und bera­ten. Das doku­men­tier­te Abstim­mungs­er­geb­nis lau­tet: fünf zustim­men­de Voten, drei Ent­hal­tun­gen, kein ableh­nen­des Votum. Die künst­le­ri­sche Qua­li­tät und die Ein­bin­dung an der Licht­kir­che waren unstrittig.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist das Vor­ge­hen der GRÜNEN bemer­kens­wert. Sie grei­fen die Ent­schei­dung nicht fach­lich an, son­dern stel­len sie grund­sätz­lich infra­ge, indem sie einen poli­tisch auf­ge­la­de­nen Neu­tra­li­täts­be­griff ins Feld füh­ren, der weder dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Rah­men noch der kom­mu­na­len Kul­tur­pra­xis ent­spricht. Die Debat­te wird damit gezielt von Kunst und Kon­text weg hin zu einer welt­an­schau­li­chen Grund­satz­fra­ge verschoben.

Beson­ders gra­vie­rend ist die impli­zi­te Dele­gi­ti­mie­rung der Kunst­kom­mis­si­on. Eine fach­lich getrof­fe­ne Ent­schei­dung wird nach­träg­lich poli­tisch pro­ble­ma­ti­siert, wodurch Auto­ri­tät und Funk­ti­on die­ses Gre­mi­ums infra­ge gestellt wer­den. Kul­tur­po­li­tik wird so nicht beglei­tet, son­dern ideo­lo­gisch überformt.

Die For­de­rung, ein christ­li­ches Sym­bol nur dann zuzu­las­sen, wenn gleich­zei­tig alle ande­ren Reli­gio­nen reprä­sen­tiert wer­den, mar­kiert den Kern die­ses Ansat­zes. Kul­tu­rel­le Ein­ord­nung wird durch for­ma­le Gleich­set­zung ersetzt, Kunst im öffent­li­chen Raum zu einem welt­an­schau­li­chen Pro­porz­mo­dell redu­ziert. Die­se Logik ist nicht plu­ra­lis­tisch, son­dern nivel­lie­rend und erklärt gewach­se­ne kul­tu­rel­le Prä­gung zum Rechtfertigungsproblem.

Auch inte­gra­ti­ons­po­li­tisch ist das Signal ein­deu­tig: Nicht mehr die Aner­ken­nung der loka­len Kul­tur gilt als Grund­la­ge des Zusam­men­le­bens, son­dern ihre fort­wäh­ren­de Rela­ti­vie­rung. Die auf­neh­men­de Gesell­schaft wird zur Anpas­sungs­leis­tung ver­pflich­tet, kul­tu­rel­le Selbst­ver­ge­wis­se­rung unter Vor­be­halt gestellt.

Im Ergeb­nis blo­ckie­ren die GRÜNEN eine sach­lich begrün­de­te Kul­tur­ent­schei­dung nicht aus fach­li­chen, son­dern aus welt­an­schau­li­chen Moti­ven. Der Kul­tur­aus­schuss wird so vom Ent­schei­dungs­or­gan zum Aus­tra­gungs­ort ideo­lo­gi­scher Grundsatzpolitik.

Die Ent­schei­dung über die Kreuz-Skulp­tur ist damit mehr als eine Fra­ge eines ein­zel­nen Kunst­werks. Sie ist ein Prüf­stein dafür, ob Kul­tur­po­li­tik in Neuss wei­ter­hin fach­lich, kon­text­be­zo­gen und ver­ant­wor­tungs­voll betrie­ben wird – oder künf­tig unter dem Vor­be­halt iden­ti­täts­po­li­ti­scher Deu­tungs­ho­heit steht.

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