Neuss – Die Stadt Neuss will ab dem 1. Januar 2027 eine Beherbergungssteuer von pauschal drei Euro pro Nacht und Gast einführen. Hotels, Hostels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze sollen die Abgabe kassieren und an die Stadtkasse abführen. Die Hoteliers rechnen bereits mit einem „bedeutenden Rückgang der Übernachtungszahlen“. Sie haben recht.
Getragen wird das Vorhaben von der großen Koalition aus CDU und SPD. Die beiden stärksten Fraktionen haben die Einführung der Beherbergungssteuer als Prüfauftrag in ihren gemeinsamen Haushaltsbeschluss aufgenommen und treiben sie nun voran. Für sie ist die Steuer eine willkommene zusätzliche Einnahmequelle von geschätzt rund 1,2 Millionen Euro im Jahr – ein weiterer Baustein im Konsolidierungspaket neben der massiven Erhöhung der Grundsteuer und der Hundesteuer.
Die Opposition sieht das anders. FDP und AfD lehnen neue Abgaben ab und werfen CDU und SPD vor, den Bürgern und der Wirtschaft immer tiefer in die Tasche zu greifen, statt konsequent zu sparen. Auch kleinere Gruppen im Rat kritisieren die Steuer als weitere Belastung. Die Hotellerie und der DEHOGA sprechen klar von einem Fehler mit langfristigen Folgen.
Neuss steht im Schatten der großen Nachbarn. Düsseldorf, Mönchengladbach und Krefeld dominieren die Region. Wer geschäftlich oder privat in den Niederrhein kommt, denkt zuerst an die Landeshauptstadt mit Messe, Flughafen und Altstadt, an Mönchengladbach oder Krefeld. Neuss ist die kleinere, unauffälligere Alternative – günstiger, ruhiger, aber ohne echte Zugkraft. Genau diese Position wird durch die neue Steuer torpediert.
Sobald die drei Euro fällig werden, weichen preissensible Gäste und viele Geschäftsreisende aus. Denn im direkten Umfeld sieht die Lage klar aus: Düsseldorf und Kaarst erheben die Steuer bereits (beide ebenfalls 3 Euro pauschal). Meerbusch, Mönchengladbach und Krefeld hingegen haben keine Beherbergungssteuer. Auch Dormagen, Grevenbroich, Jüchen und Korschenbroich bleiben steuerfrei. Der Weg dorthin ist kurz, die Ersparnis real. Schon heute nutzen viele Düsseldorf-Besucher Neuss als kostengünstige Übernachtungsalternative. Mit der Steuer entfällt dieser Vorteil. Die Gäste fahren weiter oder buchen woanders – vor allem in Meerbusch, Mönchengladbach oder Krefeld. Die lokalen Hotels, die ohnehin nicht in der Liga der großen Häuser spielen, verlieren Auslastung, Umsatz und Arbeitsplätze.
Die Stadt begründet das Vorhaben mit Haushaltsnöten. Das ist verständlich, aber kurzsichtig. Statt die Ausgaben zu prüfen, die Verwaltung zu straffen oder die Wirtschaftskraft zu stärken, greift man zur bequemsten Lösung: einer neuen Abgabe auf eine einzelne Branche. Die Einnahmen fließen in den allgemeinen Haushalt, nicht gezielt in Tourismus oder Infrastruktur, die Gäste anlocken würden. Die Belastung bleibt, der Nutzen bleibt vage.
Das Muster ist bekannt. Die großen Fraktionen entdecken immer wieder neue Steuern und Abgaben, die vor allem den Mittelstand und den Tourismus treffen. Ideologie und kurzfristige Kassenfüllung vor Pragmatismus: Man will Einnahmen generieren und übersieht, dass man damit die eigenen Betriebe schwächt und Gäste vertreibt. Andere Städte haben das Experiment schon gemacht und mussten feststellen, dass die erwarteten Mehreinnahmen durch wegbrechende Übernachtungen und Bürokratiekosten relativiert werden.
Neuss hat bereits die Grundsteuer massiv erhöht und die Hundesteuer angehoben. Jetzt soll die Bettensteuer folgen. Die Botschaft an Gäste und Investoren ist klar: Hier wird abkassiert. Wer will da noch übernachten oder investieren, wenn Meerbusch, Mönchengladbach und Krefeld steuerfrei bleiben?
Die Hoteliers haben gewarnt. Die Stadt sollte hinhören, bevor sie sich den letzten Wettbewerbsvorteil nimmt, den sie noch hat. Eine Steuer, die Gäste gezielt in die Nachbarschaft ohne Abgabe treibt, ist keine Lösung. Sie ist ein selbst verschuldeter Schaden – getragen von CDU und SPD.
